Ich werde immer wieder gefragt, wie ich denn neue Locations zum Urban Exploring bzw Lost Places im Allgemeinen finde. Darauf gibt es mehrere Antworten, ganz abhängig davon, was man genau sucht.

Immer gilt: Augen offen halten! Egal ob man nun zu Fuß, per Fahrrad, Auto oder Bahn unterwegs ist. Oft sieht man im vorbeifahren ein heruntergekommenes Haus, eine Fabrik mit vernagelten Fenstern, steinerne Umrisse im Wald. Dann einfach anhalten und nachschauen, oder den Ort im Gedanken, auf Papier oder im Smartphone markieren (Tipp: einfach ein Foto machen, Smartphones speichern üblicherweise die GPS-Daten in der Bild-Datei!), und bei einem späteren Zeitpunkt richtig ausgerüstet noch einmal nachschauen.

Auch finden sich in den lokalen Bezirksblättern oft Hinweise auf bald abzureißende Objekte, leerstehende Häuser/Firmen/Fabriken („Schandfleck der Woche“) oder ähnliches. Auch die Schließung von Firmen/Filialen bzw. die Verlegung von Standorten ziehen oft den Leerstand der ehem. Gebäude nach sich (auch wenn dann oft erst nach Jahren interessant).

Abgesehen von den Tipps gibt es natürlich noch das Internet, welches inzwischen schon voll mit Seiten/Gruppen zu dem Thema Lost Places ist, sei es nun auf Facebook, Instagram oder reddit. Dort werden täglich hunderte neue Locations präsentiert, in manchen Gruppen auch mit Adresstausch-Option. Für mich persönlich ist das jedoch uninteressant, bei mir gehört das Aufspüren und Finden genau so dazu, wie das Foto-/Video-Dokumentieren selbst danach.

Aber wie findet man nun Lost Places, die nicht Online abrufbar sind, die nicht in irgendwelchen Zeitungen oder Online-Magazinen schon abgelichtet wurden? Hier können die inzwischen schon sehr zahlreichen online Karten-Dienste extrem hilfreich sein. Gerade wenn man ein spezielles Gebiet wie z.B. Altbergbau hat, dann hat man schon – dank einschlägiger Literatur – eine ungefähre Ahnung, wo sich etwas befinden könnte. Mithilfe der folgenden Tools  lässt sich viel Zeit für die Suche vor Ort einsparen bzw. entdeckt man auch weitere unbekannte Ziele, die nicht auf der Liste standen:

 

Google Maps (GM)

Dieser Dienst sollte inzwischen schon jedem bekannt sein, daher gehe ich hier nicht weiter auf ihn ein. Zum finden von Lost Places nicht sehr geeignet, aber als Auto-Navigation dorthin schon ganz brauchbar. Aber Achtung: oft navigiert GM auch über Privat- und Forstwege, die von Personen ohne Genehmigung nicht befahren werden dürfen, hier kann abgestraft werden!

Positiv: man kann schnell zwischen Karten- und Satelliten-Ansicht umschalten und dort auch visuell die Umgebung absuchen!

© google

Link: Google Maps

 

Bing Maps

Der Kartendienst von Microsoft bietet ähnliche Funktionalität wie GM, nur gab es ein zusätzliches Feature, welches ich aber schon seit einiger zeit nicht mehr aktivieren kann (ev. global entfernt?): die Vogelperspektive! Hier konnte man (wenn Bildmaterial vorhandenen, meist nur größere Städte), die Ansicht von Satellit auf eine schräge Aufsicht umschalten, und diese war dann auch noch nach Himmelsrichtung wechselbar. Wunderschön, um hinter bestimmte Bereiche schauen zu können, zB um Objekte in Hinterhöfen zu entdecken u.ä., aber wie schon gesagt, derzeit steht diese Funktion anscheinend nicht mehr zur Verfügung.

© Microsoft

Link:  Bing Maps

 

Google Earth (GE)

Vom Kartenmaterial sehr stark mit Google Maps verwand (nicht verwunderlich, da selbe Firma), nur hat es einige Funktionen mehr. Ich verwende es als Gesamtdatenbank aller meiner interessanten Punkte, da man recht unkompliziert die POIs („Points of Interest“) daraus (oder auch komplett) exportieren und in andere Anwendungen importieren kann. Alle mir bekannten Webanwendungen bzw. Apps können auch das KML bzw KMZ Format lesen, welches GE verwendet.

Weitere interessante Funktionen sind zB die Ansicht von älteren Satellitenaufnahmen eines Gebietes (falls vorhanden) und ein einfaches, aber schnell zugängliches Lineal, mit dem man grob entfernungen zwischen Punkten abmessen kann. Das kann bei der Planung von Exkursionen sehr hilfreich sein.

Links: Google Earth Web, Google Earth Windows, Google Earth Android/iOS

 

OpenStreetMap (OSM)

Ähnlich wie bei Wikipedia arbeiten auch bei OpenStreetMap Menschen auf der ganzen Welt zusammen an den Karten, daher sind die Geodaten auch für jeden frei nutzbar.  Es gibt zwar derzeit (noch) keine Möglichkeit, zwischen Karte und Sat-Bildern umzuschalten (nur bei externen Diensten, die OSM-Daten zB mit Bing Maps Sat-Daten mischen), jedoch werden von den Kartenerstellern oft mehr Information eingepflegt, als bei anderen Kartendiensten! So sind beispielsweise bei hohen Zoomlevel auch viele Höhlen sichtbar, aber auch Bunker oder Stollenanlagen wurden hier schon eingetragen. Noch etwas mehr Info lässt sich sichtbar machen, wenn man unter „Ebenen“ noch die Punkte „Hinweise/Fehlermeldungen“ und „Kartendaten“ aktiviert (empfohlener Zoomlevel 50 m oder niedriger). Die nun aufgetauchten Objekte lassen sich mit dem Tool „Objektabfrage“ (Pfeil mit Fragezeichen) noch genau inspizieren, oft stehen hier nun noch weitere Anmerkungen vom Verfasser (z.B. Höhle, Eingang verstürzt).

© openstreetmap

Link: openstreetmap.org – noch keine offizielle App

 

mapy.cz

Mein Dank geht an Michael P. für diesen Tipp 😉

Dieser Kartendienst verwendet Daten von OSM, und wenn der Schwerpunkt hier auch eindeutig auf Tschechien liegt, so sind doch europaweit zusätzliche interessante Punkte zu finden. Einfach bei der Suche Worte wie Bunker, Höhle usw. eingeben, und es werden alle im System gespeicherten Objekte angezeigt. Ein Klick auf das Objekt zeigt dann weitere Info dazu an, und unter GPS lassen sich dann auch noch ganz einfach die passenden Koordinaten herauskopieren, um diese z.B. in GE zu speichern.

© mapy.cz

Link: mapy.cz (Web)Mapy.cz (Android)Mapy.cz (iOS)

 

Mapire

Ein kommerzieller Anbieter von historischen Karten bzw. Reprints/Ausdrucke von diesen, Schwerpunkt ist Europa. Für mich speziell interessant ist die Einbindung der Franzisko-josephinische Landesaufnahme, die man mit nur einem Klick über die aktuellen HERE-Maps/Luftbilder legen kann. So hat man einen blitzschnellen Vergleich, wie ein Ort sich über die Zeit geändert hat (oder auch nicht!). Auch lassen sich so z.B. die alten Standorte von Kalköfen (KO) ausfindig machen, und man würde sich wundern, wie viele davon heute noch (wenn auch in bemitleidenswerten Zuständen) vorhanden sind. Aber auch andere Gebäude bzw. Reste davon lassen sich somit aufspüren!

© mapire

Link: mapire.eu – Europa im 19. Jahrhundert

 

Und jetzt kommt endlich das Beste:

 

 Geoland webGIS

Mit dem webGIS Tool von Geoland lassen sich verschieden Kartenansichten mit einem Klick wechseln, wobei hier sicher die Option „Basemap Gelände“ die interessanteste für uns ist. Hierbei handelt es sich um einen Laserscan, der also nur die Erdoberfläche ohne Bewuchs oder Bebauung anzeigt! Perfekt, um beispielsweise unterirdische Strukturen zu finden: Höhlen, Stolleneingänge, Luftschutzdeckungsgräben, Bunker, Erdwälle, Burganlagen usw. lassen sich so supereinfach lokalisieren, auch wenn sie auf den Satellitenbildern von Wäldern o.ä. verdeckt sind. Das perfekte Tool, wenn man schon ein bestimmtes Gebiet eingegrenzt hat und sich die Oberflächenbeschaffenheit genauer ansehen will.

© geoland / webgis

Link: Geoland webGIS

 

Weitere Kartendienste:

Urban Change in Time: Speziell für Wien, hier lassen sich bequem per Timeline die Karten von 1700 bis heute umschalten!
Link: UCIT

 

Liste wird laufend erweitert, wenn ihr weitere passende Karendienste kennt, oder Tipps zum Auffinden von Lost Places kennt, behaltet diese nicht für euch, sondern hinterlasst bitte gleich ein Kommentar 🙂

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